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Freitag, 5. September 2008

Armenien: Kritik am Nachbarn

Die Kaukasusrepublik Armenien befindet sich in der schwierigen Situation, in ihrer Außenpolitik eine Balance zwischen den Großmächten Rußland und USA herzustellen. Dieser Spagat wird auch in einer Äußerung des armenischen Präsidenten Sersch Sarkisjan deutlich, die von "Rosbalt" zitiert wird. Danach kritisierte er die Gewaltanwendung des Nachbarstaates im Konflikt um Südossetien. Gleichzeitig schloß er aber eine Anerkennung Südossetiens und Abchasiens durch Armenien aus. Sarkisjan verwies darauf, daß Jerewan auch im Falle des Kosovo so gehandelt habe und sprach von einer "analogen Situation" im Kaukasus.

Donnerstag, 14. August 2008

Kaukausus: Politik und Religion

In einem Artikel auf dem Portal grani.ru vertritt Nikolai Mitrochin die These, daß im Kaukasus der religiöse Faktor aus der Politik verschwunden sei. Vielmehr würden in den Konflikten lokale Interessen vertreten, wofür je nach Bedarf auch religiöse Parolen benutzt würden.

Als Beleg führt Mitrochin den Südossetien - Konflikt an, wo orthodoxe Russen und Südosseten gegen orthodoxe Georgier kämpften - und dies, obwohl die russische und die georgische Kirche traditionell gute Beziehungen haben. Gleichzeitig waren auch muslimische Einheiten sowie "Abenteurer" aus dem gesamten Kaukasus auf Seiten der Südossetier in die Kämpfe verwickelt.

Durch den Krieg in Georgien sieht Mitrochin die von russischen Nationalisten gerne ins Feld geführte Theorie von der "Einheit der Orthodoxie" sowie einer westlichen Verschwörung gegen selbige widerlegt. Während im Kosovo auf jede angezündete orthodoxe Kirche heftige Reaktionen erfolgten, wurden dieselben Vorkommnisse in Südossetien von religiösen Würdenträgern kaum kommentiert. Die Schlußfolgerung lautet: "Die Kirche ist eine soziale Organisation mit eigenständigen Interessen, wenn es ihr jedoch nütztlich ist, ist sie auch bereit, aktiv die "staatliche" Position zu vertreten." Im Augenblick widerspreche dies jedoch ihren "strategischen Interessen".

Dienstag, 12. August 2008

Estland und Georgien

Ein Kommentar von Paavo Kangur auf postimees.ee trägt den Titel "Der georgische Krieg und die olympischen Spiele in Sotschi". Der Vergleich von Tibet und Abchasien und ihren Auswirkungen auf die jeweiligen Olympiaden wird jedoch nur im ersten Absatz kurz gestreift (wobei dieses Thema sicherlich noch eine tiefere Behandlung verdienen würde). Kangurs Meinungsbeitrag ist aus einem anderen Grund interessant: in der beinahe ausnahmslos pro-georgischen Berichterstattung in Estland ist er um eine differenzierte Sichtweise bemüht. Dabei spricht er einen für Estland wunden Punkt an: kleine Völker wie Abchasen und Osseten hätten sich die baltischen Staaten zum Vorbild genommen, um zum Zeitpunkt des Zerfalls eines Imperiums unabhängig zu werden. Die Ambitionen dieser kleinen Völker würden von Rußland zwar ausgenutzt, so Kangur. Gleichzeitig äußert er aber auch Verständnis dafür, daß sich kleine Völker ihre Verbündeten suchen müßten: "Einige finden den Teufel, einige Gott, und am Ende hängt das Urteil nur vom Stand- und Sitzpunkt des Urteilenden ab."

Das Dilemma, das Kangur anspricht, besteht darin, daß sich die estnische öffentliche Meinung zu weiten Teilen mit Georgien solidarisch zeigt. Der gemeinsame Gegner ist die sowjetische Hegemonialmacht Rußland, von dem sich beide Staaten losgesagt haben. Wer allerdings das Selbstbestimmungsrecht der Völker ernst nimmt, muß auch noch kleineren ethnischen Gruppen, als es beispielsweise Esten oder Georgier sind, das Recht auf Autonomie zubilligen. Einen ähnlichen Anspruch könnten früher oder später auch die im Nordosten Estlands lebenden Russen erheben.

Kangur plädiert dafür, als Konsequenz aus dem Krieg in Georgien einen Grenzvertrag mit Rußland zu unterschreiben und auf die umstrittene Präambel zu verzichten, die Rußland einen Grund lieferte, den bereits unterschriebenen Vertrag mit Estland nicht zu ratifizieren. Schließlich spricht sich Kangur noch dafür aus, das sowohl in Estland als auch in Georgien wieder mehr von Völkerfreundschaft gesprochen werden müßte - nicht zuletzt auch um Politikern die Möglichkeit zu nehmen, den Haß zwischen verschiedenen Gruppen auszubeuten.

Montag, 11. August 2008

Präsidentenreise nach Georgien?

Polen, die baltischen Staaten Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie die Ukraine engagieren sich weiterhin aktiv im Konflikt zwischen Rußland und Georgien. Wie postimees.ee und gazeta.pl übereinstimmend berichten, suchen die Präsidenten der fünf Länder derzeit nach Möglichkeiten für eine gemeinsame Reise nach Georgien.

Sonntag, 10. August 2008

Kreml nennt Erklärung Polens und der baltischen Staaten "zynisch"

Wie postimees.ee berichtet, bezeichnete der stellvertretende russische Außenminister Grigori Karassin die Erklärung der Präsidenten Polens, Estlands, Lettlans und Litauens zum Krieg in Südossetien als "zynisch". Die Anschuldigung, Rußland betreibe eine "imperialistische und revisionistische Politik" nannte er einen "unverständlichen und vollkommen unlogischen Standpunkt". Jeder müsse verstehen, so Karassin, wer das Blutvergießen begonnen hätte und wer versuche, es zu beenden und ein normales Leben im Kaukasus wiederherzustellen.

Samstag, 9. August 2008

Georgien und Jugoslawien

Die georgische Wikipedia hat den Artikel "Jugoslawien" zum Artikel des Tages auf ihrer Hauptseite gemacht, illustriert von einer Animation des Zerfalls Jugoslawiens in seine Teilstaaten. Ist der Kaukasus der neue Balkan? Ein Vergleich jedenfalls, der in den vergangenen Tagen immer wieder bemüht wurde.

Dienstag, 5. August 2008

Das georgische Lied Russlands

Während die Beziehungen zwischen Georgien und Russland zur Zeit auf das äußerste angespannt sind und der Konflikt um Südossetien zu eskalieren droht, beleuchtet eine russische Fernsehserie das historische Verhältnis der beiden Länder: Грузинская песнь России (Das georgische Lied Russlands). Unter anderem geht es um die Umstände des Eintritts Georgiens in das Russische Reich, die folgenden Kriege im Kaukasus, deren Nachwirkungen bis heute zu spüren sind sowie den russischen Georgien-Mythos, an dessen Entstehung Dichter wie Puschkin und Lermontow ihren Anteil hatten.