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Dienstag, 23. September 2008

Russische Medien: Staatlicher Kinderkanal geplant, Dugin verliert Sendeplatz

Zwei aktuelle Entwicklungen in der russischen Medienlandschaft könnten sich auch als Indizien für den weiteren Kurs der politischen Führung des Landes interpretieren lassen. Während auf der einen Seite die Diskussionen um amerikanische Zeichentrickfilme für eine Abwendung vom Westen stehen, werden auch die „ Eurasianisten“ um Alexander Dugin in die Schranken gewiesen.


Auf der Frequenz des Fernsehsenders „2x2“, dem aufgrund von Extremismusvorwürfen gegen amerikanische Sendungen wie „Die Simpsons“ und „South Park“ der Verlust seiner Sendeerlaubnis droht, könnte künftig ein staatliches Programm ausgestrahlt werden. Der Vorsitzende des Komitees für Jugendangelegenheiten in der Staatsduma, Pawel Tarakanow, sprach laut einem Bericht von „Rosbalt“ von der „Notwendigkeit der Formierung einer jungen Generation von Russländern, die in einem zivilisierten Land leben möchte und stolz auf dieses ist.“ Hierfür müsse ein Mediensprachrohr geschaffen werden, das einem „maximal breiten Auditorium zugänglich ist“. Die umstrittenen Zeichentrickfilme führten zu einem „Verfall und einer Zersetzung der jungen Generation.“ Für den Fall, daß die Lizenz von „2x2“ nicht verlängert werde, liegt nach den Worten Tarakonows bereits ein entsprechendes Projekt bereit, das sich um die freigewordene Frequenz bewerben könnte.


Unterdessen hat der russische Philosoph und Leiter der „Internationalen Eurasischen Bewegung“, Alexander Dugin, seinen Sendeplatz beim Radio RSN, das dem Kreml nahesteht, verloren. Dugin war in jüngster Zeit insbesondere durch seine radikale Position in der Debatte um den Krieg in Georgien in den Schlagzeilen. Der Chefredakteur von „RSN“, Sergej Dorenko, seit Anfang diesen Monats im Amt, sprach von „absolut inakzeptabelen extremistischen Äußerungen“ Dugins und nannte als Beispiel Sätze wie: „Ein guter Liberaler ist ein toter Liberaler.“


Dugin selbst sprach in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Novij Region“ von einer „Verschwörung gegen den Präsidenten Rußlands Dmitrij Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin“. Der neue Chefredakteur Dorenko sei ein „Gegner Wladimir Putins und enger Freund Boris Beresowskijs“. In der Einschätzung, daß die Hintergründe für Dugins Entfernung aus dem Radioprogramm politischer Natur sind, stimmt der Bericht auf „Novij Region“ mit dem Philosophen überein: sie könnten von einem Positionsverlust der sogenannten „Kriegspartei“ im Kreml künden.

Dienstag, 9. September 2008

"South Park" unter Extremismusverdacht

Der Vorwurf des "Extremismus" entwickelt sich in Rußland immer mehr zu einer Allzweckwaffe in politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Jüngstes Beispiel: eine Kampagne gegen westliche Zeichentrickfilme, von der "Novyj Region" berichtet.
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft verletzen 12 vom Fernsehsender "2x2" ausgestrahlte Zeichentrickserien, darunter "South Park" sowie die "Simpsons", die Rechte von Kindern: sie entsprächen nicht den Anforderungen des Gesetzgebers an den "Schutz der sittlichen und psychischen Entwicklung von Kindern". Weiter heißt es in der Erklärung der Staatsanwaltschaft: "Die Zeichentrickfilme (...) propagieren Gewalt und Grausamkeit, Pornographie, unsoziales Verhalten, wimmeln von Szenen des Zufügens von Körperverletzungen, der Verursachung von moralischem und körperlichem Leiden, gerichtet auf das Hervorrufen von Angst, Panik und Schrecken bei Kindern." Zusätzlich wurden in der Serie "South Park" "Anzeichen von Extremismus" gefunden.
Aktiv wurde die Staatsanwaltschaft auf Betreiben der "Vereinigten Union von Christen evangelischen Glaubens". Diese Gruppierung wird im Artikel als totalitäre Sekte bezeichnet, die keine Verbindung zur protestantischen Kirche in Rußland habe.