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Freitag, 12. Dezember 2008

Rußland: Das Geschäft mit der Sowjetnostalgie

Im kapitalistischen Rußland erlebt die Sowjet-Nostalgie eine neue Blüte, wie kommersant.ru zu berichten weiß . Dabei geht es weniger um Ideologie, als um Erinnerungen an eine vermeintlich unbeschwerte Jugend.


Besonders bemerkbar macht sich der Trend im Bereich der Gastronomie. Cafés und Stehimbisse mit Namen wie „UdSSR“ oder „Freundschaft“ laufen erfolgreich. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die klassische „ stolowaja“, die Kantine, die für preiswertes und gutes Essen steht. Die Geschäftsmodelle sind durchaus unterschiedlich. Während in Moskau mancherorts durch und durch unsozialistische Preise zu zahlen sind, dafür aber auch schon mal ein Striptease zum Dessert geordert werden kann, setzen andere Betriebe auf kleine Preise und dafür größere Mengen an Kundschaft – und machen dabei teilweise Umsätze, die sich mit denen von etablierten Restaurants messen können. Auch das Kaufhaus „GUM“ am Roten Platz in Moskau vermarktet erfolgreich seine sozialistische Vergangenheit.


Die Nostalgiewelle erfaßt daneben weitere Bereiche der Alltagskultur: spezielle Spartensender zeigen sowjetische Filme und Berichte etwa über den Weltraumflug Gagarins oder die Beerdigung Breschnejws. Großer Beliebtheit erfreut sich zur Zeit auch die Musik der 1980er Jahre. Im Internet werden erfolgreich sowjetische Propagandeplakate als Poster vertrieben. Und aus der Initiative dreier Freunde entstand ein Museum für alte sowjetische Spielautomaten am Rande Moskaus.


Einig sind sich alle im Artikel zitierten Stimmen, daß das Nostalgiephänomen sich nicht aus dem Wunsch speist, das alte System wiedersehen zu wollen. Der Psychologe Wadim Petrowskij spricht vom Streß, der den Wunsch wecke, sich wieder wie ein Kind fühlen zu können – und wenn diese Kindheit in den 1960er, 1970er oder 1980er Jahren stattfand, würde sie eben mit der Sowjetunion assoziiert. Demzufolge könnte sich auch die am Ende des Artikels angeführte Prognose bewahrheiten, derzufolge in nicht allzuferner Zukunft mit einer 90er-Jahre Mode zu rechnen sei.

Mittwoch, 3. September 2008

Russische Medien: Zwei estnische Bauern rufen Sowjetrepublik aus

Die Webseite der Kommunisten St. Peterburgs und des Leningrader Bezirks berichtet über zwei Bauern im Nordosten Estlands, die angeblich nicht mehr im "bürgerlichen Estland" leben wollten und auf ihren Höfen eine "Estnische Sozialistische Sowjetrepublik" ausgerufen hätten. Bezeichnend ist hier, daß den offensichtlich gestellten Bildern (die estnischsprachige Aufschrift auf den Plakaten der angeblichen "Aufständischen" enthält gleich mehrere Rechtschreibfehler) in den russischen Medien dennoch großer Platz eingeräumt wird: Das Portal "Novyj Region" berichtet ebenso wie die Nachrichtenagentur Ria Novosti, die die Meldung auch ins Englische übersetzt hat. Das estnische Außenministerium nimmt die Meldung nicht ernst, wie aus einem Bericht von postimees.ee hervorgeht.